Gothic Friday Runde 1: Der Weg des Schatten vom Hip-Hopper zum Waver

Wie wurde Schatten eigentlich Waver? Und wer is daran schuld?
Die Antworten auf diese Fragen liefert folgender Text, der zur ersten Runde des, von Robert und Shan Dark im Spontis-Blog ins Leben gerufene, Gothic Friday geschrieben wurde, aber seht selbst:

Es muss im Sommer 2008 gewesen sein, ich hatte gerade vor seit ein paar Wochen den Hip-Hop für mich entdeckt. Ich war mal wieder in der Bücherei um mich mit Lesestoff einzudecken, zufälligerweise entdeckte ich ein Buch über Jugendkulturen, das den Titel „Raver, Rapper und Rebellen“ trug. Mit dem Ziel mehr über Hip-Hop in Erfahrung zu bringen packte ich das Buch auf meinen Stapel.
Lese-begeistert wie ich bin, habe ich natürlich das gesamte Buch gelesen.
Von den darin beschriebenen Szenen, wie zum Beispiel Skinhead, Punk, Techno, Metal und Grunge, sprach mich dieses Gothic am meisten an und übte eine merkwürdige Faszination auf mich aus.
Als wohl bekannteste Gothic-Band betitelte der Autor The Cure, also dachte ich mir höre ich da doch mal rein. Dafür das es so düster sein soll, klang es in meinen Ohren doch reichlich fröhlich, war zwar nicht schlecht, aber meinen Geschmack traf es auch nicht so wirklich.
Über das Internet bin ich dann auf die üblichen Bands wie ASP, Unheilig, Lacrimosa, Staubkind, etc gestoßen und hab zu der Zeit hauptsächlich die gehört. (Allerdings kann ich mir Stolz sagen, ich habe nie Blutengel gehört ;))
Irgendwann kaufte ich mir dann einen Sampler mit dem Namen Gothic Compilation Part XXXIX,
von dem mir aber nur einige wenige Lieder gefielen. Unter ihnen, Hexen Leben Länger von Der Fluch. Wie mir damals noch nicht bewusst war, mein erster Schritt Richtung Goth-Punk. 😀

Der Kommentar meiner Mutter, als sie zum ersten Mal das Cover der CD sah war: „Na ich seh schon, der Timo kriegt zu Weihnachten nen schwarzen Ledermantel.“ Das ich das ernst nehm hat sie wahrscheinlich nicht erwartet. Jedenfalls ging es dann ein paar Wochen später mit meinem Onkel in die Stadt zum Mantel kaufen, da er leider völlig andere Vorstellungen davon hat, was man in der Schule tragen kann bekam ich dann doch keinen Mantel. Zumindest bis Februar, wo mir dann meiner Mutter einen gekauft hat 🙂 War zwar nicht aus Leder, aber meinen Ansprüchen genügte er.
Monate später fasste ich dann den Entschluss mir was von den Fields of the Nephilim zu besorgen.
Aus finanziellen Gründen fiel meine Wahl auf ihr Debütalbum Dawnrazor. Beim ersten Hören stellte ich fest, dass die Musik zwar ganz interessant klingt, besonders der Spiel mir das Lied von Tod-Sample in dem Lied Intro (The Harmonica Man) hatte es mir angetan, aber dennoch konnte ich mich mit dem Klang nicht so recht anfreunden. In der Folgezeit zwang ich mich mehr oder weniger selbst, die Scheibe zu hören, denn man wollte ja möglichst gruftig sein und deswegend die richtige Goth-Musik hören und nicht das, was heutzutage so bezeichnet wird. Diese Einstellung verdanke ich im Übrigen der Wikipedia, welche in ihrer Rolle als Enzyklopädie die Gothic-Szene von ihrem Ursprung an beschreibt. Und wenn es auf Wikipedia steht, muss es ja stimmen, also richtete ich mich danach 😉

Zufällig stieß ich dann über Umwege auf das berühmt, berüchtigte „Spiegel Gruftie-Video von ’89“, indem ich zum ersten Mal toupierte Haare sah. Ich war davon hin und weg und für mich stand fest, so will ich auch mal aussehen. (Bis das wirklich passierte, sollte noch einige Zeit vergehen)
Nachdem meine Springerstiefel auseinandergefallen waren entdeckte ich im Internet die Pikes, wodurch ich auf den Spontis-Blog stieß, ohne den ich jetzt nicht hier schreiben würde ;).
Spitz, lang und mit ledernen Schnallen, Schuhe wie sie kein normaler Mensch tragen würde, also genau das, was ich will :D.
Mai 2009 wollte ich mich dann, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, in einem Gothic Forum registrieren. Etwas eingeschüchtert durch anfängliche Ablehnung, die wohl jeder Szeneneueinsteiger mal zu spüren kriegt, machte ich mich bei Google expliziert auf die Suche nach einem freundlichen Gothic Forum. So fand ich das Dunkle Leben, welches sich schon im Banner
als freundlich-schwarze Community anpreist. Nach ein wenig Zeit zum Testlesen stellte ich fest dass das Dunkle Leben seinem Motto voll und ganz gerecht wird und meldete mich an.
Abgesehen von den vielen praktischen Tipps, den freundlichen Menschen und den Inspirationen, welche ich dort fand, so hatte es noch eine weiter wichtige Folge für mich:
Neugierig gemacht, durch meine Beiträge im Forum, welche sich, für mein Alter äußerst ungewöhnlich, mit Themen wie Pikes, Krähennestfrisuren und ähnlichen befasste, kontaktierte mich bei ICQ ein anderer Oldschool-Gruftie mit dem Namen Dr. Fusselpulli, der für mich so eine Art szenisches Vorbild ist und bei dem ich mich an dieser Stelle mal für die interessanten Gespräche und die hilfreichen Tipps zur Frisur bedanken möchte 🙂
Weihnachten ’09 bekam ich dann meine ersten Pikes, 4-schnallige Dawnboots mit Fledermausschnallen. Ich freute mich wie ein Schneekönig, wobei Schnee eher ein schlecht für Pikes ist. Wer schon mal versucht hat mit den Dingern über vereisten Gehsteig zu laufen, weiß was ich meine 😀
Mittlerweile sind die guten Stücke auch schon reichlich abgelaufen, aber es werden wachstumsbedingt so oder so neue fällig.

Endgültig besiegelt wurde dann mein Weg zum Wave-Sein durch die Anschaffung von Mick Mercers großartigem 5-teiligen Gothic Rock Sampler 🙂

Was sich allgemein noch sagen lässt:
Oft liest man davon, dass Leute Goths wurden, weil sie in der Schule ausgegrenzt wurden oder einen geliebten Menschen verloren haben, zumindest ist es in meiner Generation oft so.
Ich dagegen bin es einfach so im Laufe der Zeit geworden, weil ich es wollte und werde in meiner Klasse sogar mehr respektiert als vorher. 🙂
Leider finden sich allerdings in meinem Alter kaum mehr welche die genauso auf das Gothic von früher stehen, Cybers gibt es bedauerlicherweise umso mehr. Versteht mich nicht falsch, aber dieses grelle neon-bunte mit seiner elektronischen Musik und dem Tanzen, das in meinen Augen nach einer Mischung aus Karate, Windmühlen und Leuchtfisch aussieht, ist mir einfach durch und durch unsympathisch. Das einzige dem ich was abgewinnen kann sind schlichte Schweißerbrillen und die hatte Carl McCoy schon Jahre früher. Mag schon sein das es nen ganzen Haufen nette Cybers gibt, aber die Szene an sich ist einfach nicht meins.

Wie sag ich immer, mag sein, dass es damals nicht besser war, aber zumindest sahen die Leute besser aus 😉

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10 Antworten to “Gothic Friday Runde 1: Der Weg des Schatten vom Hip-Hopper zum Waver”

  1. Madame Mel Says:

    Ein sehr sympathischer Beitrag und „Hut ab“, dass du als junger WAVER (wie jung geht nicht genau hervor) dich für die 80er-Szene und den damaligen Style interessierst – wo doch die Altersgenossen in Neonpuschel und Knicklichter herumrennen.

    • Schön, dass der Artikel dir gefällt, war mir unsicher, ob er sich nicht etwas komisch ließt 😉
      Was das Alter betrifft, ich bin Jahrgang ’95, also momentan 15, werde dieses Jahr aber 16 😉

  2. Danke für Deinen Artikel. Ich freue mich sehr, dass Du den Knicklichtkindern entsagt hast und ein gescheiter Waver geworden bist.
    Schönes Theme hat Dein Blog übrigens 🙂

  3. Wow! Das ist ja eine ganz bewusste Entscheidung zum Waver. Meistens ist das ja – wenn man all den tollen Beiträgen glaubt – doch eher ein schleichender Prozess und bei dir scheint es klar mit dem Lesen dieses Buches und der näheren Auseinandersetzung mit der Subkultur einen ziemlich klaren Wendepunkt zu geben.

    Deine Mutter scheint das ja wirklich zu unterstützen. Finde ich super und kommt mir bekannt vor: Ich habe meiner mal mein Korsett geliehen 😉

    Und es erleichtert mich zu lesen, dass es doch noch mehr Leute gibt, die zunächst als Neuling auf Ablehnung gestoßen sind. Auch wenn es mehr im virtuellen als „analogen“ Leben war. Und nach wie vor ist das schade und bestätigt die vorherrschende und widersprüchliche Intolernz…

    Ich bin gespannt, wohin du dich mit der Zeit noch entwickelst, die Szene umfasst ja doch noch deutlich mehr als 80er und Cyber…

    • Zumindest in manchen Bereichen unterstütz sie mich, je nach Konsens variiert das zwischen Unterstützung, Toleranz und Ablehnung 😉
      Was man dazu sagen muss, die Ablehnung kam eher von welchen die selbst in anderen Szenen angesiedelt sind, aber meine sie wären furchtbar weitsichtig. Natürlich gibts in jeder Szene Individuen die meinen sie müssten Leute vergraulen, nur weil sie nicht zwischen Mitläufer und werdenden Neuling unterscheiden können.
      Und diese Angst vor Ablehnung bezieht sich auch stark auf das bekannte unnahbare Verhalten, das oft an den Tag gelegt wird, ich würde mal sagen, das schreckt nur die ab denen es nicht weiter wichtig ist, andere, wie ich werden da nicht so schnell aufgeben, bis sie aktzeptiert werden 🙂
      Meiner Meinung nach, gehört diese scheinbare Elitärität und Unnahbarkeit einfach irgendwie dazu 😉

  4. Ausgesprochen interessant, werter Schatten!
    Du bist definitv der jüngste Waver, den ich kenne und hast meines Erachtens allein schon dafür Respekt verdient 😉

    „Mag sein, dass es damals nicht besser war, aber zumindest sahen die Leute besser aus“… ein genialer Satz 🙂

  5. „Mag sein, dass es damals nicht besser war, aber zumindest sahen die Leute besser aus“ Da kann ich mich von Karnstein nur anschließen. ^^
    Ich weiß nicht, aber Dein Artikel, den muss man lieben!
    Dass du vom Hip Hop darauf gekommen bist, finde ich umso erstaunlicher.
    Aber zu Fields Of The Nephilim sollte man sich nicht zwingen müssen…Oder doch? 😉
    Anyway, es ist gut zu hören, dass man auch Leute im fast selben Alter hat wie man selbst, die sich ein wenig mit dem 80er Jahre Kram beschäftigen.
    Was mich jedoch interessieren würde, wie hat sich das so weiterentwickelt? Dein Eintrag ist ja auch schon ein halbes Jahr alt…^^

    • Anfangs hab ich das, aber inzwischen liebe ich deren Musik 🙂
      Wie sich das entwickelt hat, nunja inzwischen hab ich eine wesentlich größere Plattensammlung, mit einigen Oldschool-Platten und meine Pikes sind noch viel abgenutzter, aber immernoch tragbar ;D

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